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Die Kunst des ruhigen Schauens
"Modernität kennt keinen Glauben. Und der Fortschritt, der keine Nationalität mehr kennt, erstickt jede Andersartikeit. Übrig bleibt eine wurzellose Eintönigkeit." So beschreibt Tiziano Terzani in seinem Buch "Fliegen ohne Flügel" die Krankheit unserer Zeit. Um das Resümee vorwegzunehmen: Mit seinem Kunstschaffen sucht und findet Hans Greuel wirksame Mittel, um jener Krankheit Paroli zu bieten. Folglich können seine Arbeiten nicht "modern" erscheinen. Selbst wenn er in seinen neuen Skulpturen die Möglichkeiten elektronischer Technik erprobt: das scheinbar Moderne wird nie zum Selbstzweck: es dient allenfalls als Medium, mit dessen Hilfe sich Bilder und geistige Inhalte transportieren lassen. Hans Greuel ist nicht nur Künstler sondern auch ein Sammler, der banale Fundsachen aufhebt und aufbewahrt: Schlüssel, Gefäße, Plastik-Flaschen, Kinderspielzeug, allerlei wertloses Material. Wie ein Archäologe begreift er sie als Symptome der gegenwärtigen Zeit. Das Gefundene wird mit künstlerischen Mitteln konserviert; Greuel läßt es unter Glas erstarren, benutzt es, um seinen Pfahlskulpturen ein individuelles Erscheinungsbild zu verleihen. Diese seltsamen angespitzten Pfähle beschwören wie Zauberstäbe die Elemente der Natur: Eicheln, Fichtenzapfen, vergoldete Hühnerklauen - im Verein mit den versteinerten Neuzeitrelikten verwachsen sie auf der Oberfläche der Nadelholzpfähle zu einer magischen, organischen Haut. Natur wird bewahrt: In vergoldeten Schalen erscheinen die Zapfen (und deren Samen) wie ein wertvolles Vermächtnis für spätere Zeiten. Die schlichte Bemalung in den Grundfarben Rot, Gelb und Blau, der Gebrauch der Farbe Gold, die Streifen und Ornamente rufen die Kunst von Naturvölkern in Erinnerung. Tatsächlich hat Greuel auf Reisen durch Nordamerika in den Reservaten der Indianer Station gemacht. Deren Talismane und Symbole mögen Anregungen vermittelt haben. Noch größere Faszination übten die Schamanen mit ihren medizinischen und magischen Praktiken aus. Eine Medizin, die nicht allein auf den Fortschritt und seine Apparate vertraut, die den Menschen zurückbindet ("religio") an seine Ursprünge, erscheint heute wie ein Märchen aus uralten Zeiten. Doch Greuel bewegt sich auf diese Utopie zu. Mit seinen Pfählen wirkt er symbolisch jener wurzellosen Eintönigkeit entgegen, die Terzani so treffend diagnostiziert. Gleichwohl, ob man sie als Mahnmale ansieht, die den Betrachter an seine Wurzeln, sein Revier, seinen Ursprung oder seine Individualität erinnern - oder als Pfähle, die Grenzen abstecken, deren Überschreitung womöglich gefährlich ist: Greuels Skulpturen bieten in ihrer tastbaren, "begreifbaren" Präsenz Lösungen an, vom sinnlichen Reiz ihrer Zeichen und Motive ganz zu schweigen. Ähnlichen Symbolen begegnet man auf den Gemälden des Künstlers. Hier verselbständigen sich die Motive zu einer Zeichenwelt, die wiederum auf Ursprüngliches zurückweist. Wie auf Höhlenmalereien erscheinen Menschen und Tierfiguren nicht als Individuen, sondern als Zeichen ihrer Art. Die Natur, die Tiere und der Mensch stehen hier noch gleichwertig nebeneinander - ein Sehnsuchtsbild archaischer Ordnung, in dem jedes Wesen noch sein Anwesen, jedes Ding seinen eigenen Sinn besaß. Daß Greuel kein rückwärts-orientierter Romantiker ist, der ein verlorenes Paradies betrauert und beschwört, beweisen seine jüngsten Projekte. Auf den mannshohen Pfählen leuchten nun elektronisch bewegte Bilder auf. Mal ernsthaft, mal augenzwinkernd mit einer Prise Humor verzichtet Greuel auf die Bildgewitter herkömmlicher Videoclips. Vielmehr propagiert er als Künstler und als Mediziner eine Kultur der Langsamkeit, der Besinnung, des ruhigen Schauens - so kommt der Mensch zu sich, findet zu sich selbst zurück. Die Melange aus Tradition, Magie und Technologie (und deren mögliche Versöhnung) zeigt, daß der Künstler am Prinzip Hoffnung festhält, daß er mit seiner Arbeit fortschreitet und sich nicht mit einmal gefundenen Lösungen zufriedengibt. KLAUS SEBASTIAN
"Art im Port" Köln, 1992 |
Surrealismus und Lowbrow Piquets de Roanne: Holzpfähle, Totempfähle, Herrenpfähle, Germanenpfähle, Ethnopfähle Bilder, Objekte.... Plastische Arbeiten (2006) Willkommen bei den folgenden Arbeiten von Dr. Hans Greuel: Menschliche Silikon-Plastiken 2006/2007 Galerie und Studio für Kunst-Therapie (Ardennen Belgien) SublimOhr-Körperklänge-CD 2006
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